?php trim(); ?> Warum die alte Bauernpferde-Rasse den modernen Reiter retten kann - Akgüven Sigorta

Ich berate seit über fünfzehn Jahren Reitschulen und private Pferdehalter bei der Anschaffung ihres ersten oder zweiten Pferdes. Immer wieder erlebe ich dasselbe Muster: Einsteiger suchen nach einem ruhigen Pferd und landen bei einem ehemaligen Turnierpferd oder einem unausgelasteten Reitpony mit schwierigem Charakter. Oft sind diese Tiere von ihrer Zucht her auf Leistung getrimmt – nicht auf entspanntes Geländereiten oder vertrauensvolle Zusammenarbeit mit einem unsicheren Reiter.

Vor einigen Jahren stieß ich auf eine Gruppe von Züchtern und Haltern, die konsequent eine alte europäische Gebirgspferderasse pflegen – das Haflinger-Pferd aus Südtirol und dem angrenzenden Alpenraum www.haflinger-online.com.de. Deren Arbeit hat mir die Augen geöffnet für einen grundlegenden Denkfehler im modernen Pferdesport: Wir reiten oft Pferde so falsch wie möglich.

Die Verdrängung alter Linien

Der typische Reiter sucht ein zuverlässiges Freizeitpferd für Ausritte und gelegentliche kleine Springübungen. Gleichzeitig kaufen wir meist Tiere aus Blutlinien, die auf maximale Dressurpunkte oder hohe Sprungkraft gezüchtet wurden – ohne Rücksicht auf Nervenstärke oder Genügsamkeit im rauen Alltag eines Hobbybetriebs.

Mir ist bekannt geworden wie selten heute noch unverfälschte Stutenlinien aus den ursprünglichen Bergregionen existieren. Viele klassische Rassen haben längst einen „Veredelungs“prozess durchgemacht der ihnen ihre ursprünglichen Eigenschaften nahm: Trittsicherheit auf losem Untergrund dabei Ruhe in jeder Situation sowie robuste Gesundheit fast ohne teure Ergänzungsfuttermittel.

„Ein Pferd das zehn Jahre nur in der Halle gearbeitet hat kann selbst auf einer einfachen Weide gegenregieren wenn es nie richtiges Gelände gesehen hat.“ Das sagte mir ein erfahrener Trainer nach einer schweißtreibenden Ausfahrt mit einem edlen Warmblut das vor jedem Ast scheute.

Warum Robustheit im Freizeitbereich zählt

Ich habe sehr viel Zeit damit verbracht Halter von sogenannten Wirtschaftspferden zu interviewen also Leute die noch wissen was es heißt ein Pony ganzjährig draußen zu halten ohne täglichen Luxusstroh und Mash.

Diese alten Zuchtlinien – etwa beim Noriker beim Fjordpferd aber eben auch beim echten alten Typ des gebirgsfesten Ponys – bieten etwas das moderne Sportzuchten kaum noch liefern können eine innere Gelassenheit die nicht erst trainiert werden muss sondern genetisch verankert ist.

Wir sollten uns fragen ob wir wirklich immer mehr hochgezüchtete Pferde brauchen deren Nervenkostüm schon bei leichtem Wind flattert während die Nachfrage nach geländetauglichen ruhigen Freizeitbegleitern stetig steigt.

Was ein reiner Zuchtverband bedeutet

Auf den Gesprächen mit Züchtern lernte ich einen wichtigen Unterschied kennen zwischen Rassen die einem geschlossenen Zuchtbuch unterliegen und solchen die offene Einkreuzungen zulassen um kurzfristig leistungsfähigere Tiere zu produzieren.

Reine Verbände bewahren nicht nur historisches Kulturgut sondern auch funktionale Merkmale wie Hufhärte Fruchtbarkeit und Langlebigkeit Merkmale die man erst schätzt wenn man sie nicht mehr hat.

Ein besonders anschauliches Beispiel sind Arbeitstiere die über Jahrzehnte unter extremen Bedingungen selektiert wurden Die alten Gebirgsponys können auch heute noch tagelang auf steinigen Wegen arbeiten ohne Lahmheit oder Rückenschmerzen weil ihr Körperbau darauf ausgelegt ist nicht weil sie nachträglich orthopädisch behandelt wurden.

Erfahrungen aus der Praxis – mit kritischem Blick

Trotz aller Begeisterung muss ich an dieser Stelle eine Warnung aussprechen Nicht jedes Exemplar einer konservierten Rasse ist automatisch ein Traumpferd Ich habe mehrere verhaltensauffällige Tiere gesehen deren Haltung einfach nicht artgerecht war Auch das urigste Bauernpferd wird bockig wenn es drei Wochen im engen Boxenstall steht und nur alle zwei Tage Bewegung bekommt

Aber insgesamt zeigt meine Erfahrung dass Anfänger mit solider Basisausbildung weit besser fahren wenn sie auf einen Vertreter dieser robusten Typen setzen als auf einen überdrehten Turnierabsteiger desssen Idealgewicht bereits zehn Kilogramm unter dem liegt was er für gesundes Knochenwachstum bräuchte

Ich bin kein Freund des Dogmas dass älter immer besser wäre Aber in diesem speziellen Fall habe ich gelernt dass wir manchmal zurückblicken müssen um sinnvoll voranzukommen Die Wiederentdeckung alter Leistungsmerkmale könnte dem Breitensport mehr geben als jede neue Sattelgeneration jemals versprechen kann

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